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Strom, Gas, Wasser

Strom, Gas, Wasser in Argentinien: Warum du seit Januar 2026 fast sicher den vollen Preis zahlst

220 Volt wie zu Hause, aber ein anderer Stecker — und seit Januar 2026 eine neue Tarifordnung: Das Dekret 943/2025 kennt nur noch Haushalte mit und ohne Zuschuss, und der Staat gleicht die Angaben mit Kreditkartenumsätzen, Beiträgen zur Privatversicherung und Auslandsreisen ab. Wer einmal im Jahr nach Europa fliegt, zahlt den vollen Preis. Dazu ein Punkt, den kaum jemand kennt: In weiten Teilen der Pampa steckt Arsen im Grundwasser.

11 Min. Lesezeit · 🇦🇷 Argentinien

Strom, Gas, Wasser in Argentinien: Warum du seit Januar 2026 fast sicher den vollen Preis zahlst

Eine gute Nachricht vorweg: Aus argentinischen Steckdosen kommen 220 Volt bei 50 Hertz. Deine Kaffeemaschine, dein Fön und dein Wasserkocher überleben den Umzug — anders als in Panama oder den USA.

Der Stecker passt trotzdem nicht. Argentinien benutzt den Typ I, drei schräg gestellte Flachstifte, dieselbe Form wie in Australien. Ein deutscher Schuko-Stecker geht dort nicht hinein. Ältere Wohnungen haben oft zusätzlich runde Dosen für den europäischen Flachstecker, aber verlass dich nicht darauf. Nimm eine Handvoll Adapter mit, oder tausche die Stecker vor Ort — Elektriker machen das für wenig Geld.

DIE NEUE TARIFORDNUNG, DIE DICH FAST SICHER TRIFFT

Hier liegt der Punkt, den kein Reiseführer erwähnt.

Seit Januar 2026 gilt in Argentinien ein neues System: die "Subsidios Energéticos Focalizados", eingeführt durch das Dekret 943/2025. Die alte Einteilung in drei Einkommensstufen N1, N2 und N3 ist abgeschafft, ebenso das getrennte Programm für Flaschengas und der Sozialtarif Gas. Es gibt nur noch zwei Gruppen: Haushalte mit Zuschuss und Haushalte ohne.

Wer einen Zuschuss bekommt, entscheidet sich am Haushaltseinkommen — es muss unter drei "Canastas Básicas Totales" liegen, Anfang 2026 rund 3,6 bis 3,8 Millionen Pesos im Monat. Dazu kommen Ausschlusskriterien: kein Fahrzeug, das jünger als drei Jahre ist, nicht mehr als zwei Immobilien im Haushalt.

Und jetzt der Satz, der Auswanderer betrifft: Der Staat gleicht die Angaben mit Kreditkartenumsätzen, Beiträgen zur privaten Krankenversicherung und Auslandsreisen in nicht angrenzende Länder des letzten Jahres ab.

Wer einmal im Jahr die Familie in Deutschland besucht und eine prepaga zahlt, wird in diesem Raster praktisch immer als nicht bezuschusst geführt. Rechne von Anfang an mit dem vollen Preis. Das Register heißt jetzt ReSEF und hat das frühere RASE abgelöst.

Zwei weitere Punkte des neuen Systems: Der Zuschuss gilt nur für einen festgelegten Grundverbrauch; alles darüber wird zum vollen Tarif abgerechnet. Und beim Gas gibt es ihn nur von April bis September, in den Sommermonaten nicht.

WER DEN STROM LIEFERT

Anders als in Deutschland kannst du dir den Anbieter nicht aussuchen. Zuständig ist, wer dein Gebiet versorgt: Edenor und Edesur im Großraum Buenos Aires, EPEC in Córdoba, EPE in Santa Fe, EDEMSA in Mendoza, und so weiter. Aufsicht führt die ENRE, für Gas die ENARGAS.

Um den Vertrag auf deinen Namen zu bekommen — den "cambio de titularidad" — brauchst du in der Regel deinen DNI, den Kaufvertrag oder Mietvertrag und die letzte Rechnung des Vormieters. Ohne DNI wird es zäh; solange du keinen hast, läuft der Anschluss meist weiter auf den Vorbesitzer oder den Vermieter.

Gezahlt wird üblicherweise per "débito automático" vom argentinischen Konto oder bar bei Rapipago und Pago Fácil. Auch dafür brauchst du erst den DNI, dann das Konto.

STROM FÄLLT AUS — RECHNE DAMIT

In den Hitzewellen im Januar und Februar sind Stromausfälle in den Ballungsräumen Alltag, nicht Ausnahme. Sie dauern Stunden, gelegentlich länger.

Zwei praktische Folgen. Erstens: Kauf Überspannungsschutz für alles, was teuer ist — Kühlschrank, Fernseher, Rechner. Spannungsschwankungen richten mehr Schaden an als der Ausfall selbst. Zweitens: Wenn du in einem Hochhaus wohnst, frag nach, ob der Aufzug und die Wasserpumpe an einem Notstromaggregat hängen. Ohne Pumpe kein Wasser im achten Stock.

GAS: LEITUNG ODER FLASCHE

In den Städten und großen Teilen des Landes gibt es Erdgas aus der Leitung. Damit wird geheizt, gekocht und Warmwasser bereitet.

Wo kein Netz liegt — Teile des Nordwestens, viele ländliche Gegenden, auch manche Stadtränder — läuft alles über die "garrafa", die 10-Kilo-Gasflasche, oder über einen Außentank. Das ist kein Notbehelf, sondern Normalität für Millionen Haushalte. Es ist allerdings umständlicher und im Verhältnis teurer.

Prüf das vor dem Kauf oder der Anmietung: Liegt Erdgas an? Wenn nicht, wie kommt die Flasche ins Haus und wer bringt sie? In Patagonien mit einem Außentank im Winter ist das eine ernste Frage, keine Kleinigkeit.

Ein Sicherheitshinweis, weil in Argentinien häufiger mit offener Flamme geheizt wird als in Deutschland: Kohlenmonoxid aus schlecht gewarteten Gasgeräten fordert dort jeden Winter Todesopfer. Lass jedes Gasgerät bei Einzug von einem zugelassenen Installateur prüfen und häng einen CO-Melder auf. Der kostet wenig und ist die billigste Lebensversicherung des ganzen Umzugs.

WASSER — UND EIN PROBLEM, DAS MAN NICHT SIEHT

Für Wasser und Abwasser ist im Großraum Buenos Aires AySA zuständig, in den Provinzen jeweils eigene Betriebe. Das Leitungswasser der großen Städte ist aufbereitet und trinkbar.

Auf dem Land ist das anders, und zwar aus einem Grund, den kaum ein Zugezogener kennt: In weiten Teilen der Pampa — Teilen der Provinz Buenos Aires, Santa Fe, Córdoba, La Pampa, Santiago del Estero — enthält das Grundwasser natürlicherweise Arsen. Die Folge ist ein eigenes Krankheitsbild, das in Argentinien einen eigenen Namen hat.

Wenn dein Haus einen eigenen Brunnen hat, lass das Wasser vor dem Kauf im Labor untersuchen — auf Arsen und auf Nitrat. Das kostet wenig und ist die wichtigste Prüfung, die du an einem Landhaus vornehmen kannst. Wo Arsen im Wasser ist, hilft weder Abkochen noch ein einfacher Filter; es braucht eine Umkehrosmoseanlage.

DER TANK AUF DEM DACH

Fast jedes argentinische Haus hat einen "tanque de agua" auf dem Dach. Er sorgt für Druck und überbrückt Versorgungslücken.

Zwei Dinge gehören dazu: Er muss ein- bis zweimal im Jahr gereinigt werden, sonst wird er selbst zur Keimquelle. Und er hat eine Größe — bei längeren Ausfällen bestimmt sie, wie lange du Wasser hast. Sieh ihn dir bei der Wohnungsbesichtigung an, statt ihn zu übersehen.

WAS DAS FÜR DICH HEISST

Die Versorgung selbst ist ordentlich und in den Städten zuverlässiger, als der Ruf des Landes vermuten lässt. Die Kosten sind es, die sich verändert haben: Argentinien hat die jahrzehntelangen Energiesubventionen in wenigen Jahren zurückgefahren, und die Rechnungen zeigen inzwischen weitgehend den echten Preis.

Vier Dinge in den ersten Wochen: Adapter oder neue Stecker besorgen. Die Verträge auf deinen Namen umschreiben lassen, sobald der DNI da ist. Gasgeräte prüfen lassen und einen CO-Melder aufhängen. Und bei einem Haus mit Brunnen: das Wasser untersuchen lassen, bevor du unterschreibst.

Kalkuliere die Nebenkosten mit dem vollen Tarif. Wenn doch ein Zuschuss dabei herauskommt, ist es eine gute Überraschung — umgekehrt wäre es eine teure.

Stand: 8.8.2026

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