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🇦🇷 Argentinien

Neuquén

Neuquén

Neuquén liegt im Norden Patagoniens an der chilenischen Grenze und zählt rund 726.000 Einwohner. Die Provinz hat zwei Seiten: Im Westen die Andenseen von Villa La Angostura bis Aluminé mit Araukarienwäldern, Skigebieten und Nationalparks; im Osten trockene Steppe, in der das größte Schiefergas- und Schieferölfeld außerhalb Nordamerikas liegt — Vaca Muerta. Diese Förderung hat die Provinz in wenigen Jahren zur wirtschaftlich dynamischsten Argentiniens gemacht und die Stadt Neuquén stark wachsen lassen. Im Süden liegen die Obstgärten des Alto Valle, aus denen ein Großteil der argentinischen Äpfel und Birnen kommt.

Charakter

Zwei Provinzen in einer. Im Westen Bergseen, Wälder und stille Dörfer, in denen das Jahr zwischen Sommer- und Skisaison pendelt. Im Osten Industrie, Lastwagen und Neubauviertel, mit dem Tempo einer Boomregion. Dazwischen weite Steppe mit Ziegenherden und den Sommerweiden der Criancero-Familien. Die Provinz ist selbstbewusst, wohlhabender als ihre Nachbarn und in Verhandlungen mit der Hauptstadt traditionell eigensinnig.

Klima

Trocken und kontinental im Osten, feucht und kühl im Westen. In der Stadt Neuquén heiße Sommer mit über 35 Grad und milde Winter um 12 Grad am Tag, dazu ständiger Wind. In den Andentälern Sommer um 22 bis 26 Grad und Winter mit verlässlichem Schnee, Frost und einer Heizperiode von April bis Oktober. Der Niederschlag nimmt von West nach Ost dramatisch ab — von über 2.000 Millimetern an der Grenze auf unter 200 in der Steppe.

Budget & Lebenshaltung

Uneinheitlich und im Osten teuer geworden. Die Stadt Neuquén und Añelo haben durch den Ölboom ein Preisniveau erreicht, das über dem Landesdurchschnitt liegt — Wohnraum ist dort knapp und teuer. Die Andenorte im Westen sind touristisch geprägt und ebenfalls nicht billig. Günstiger wohnt man in den Obstbaustädten des Alto Valle und in den kleineren Orten der Steppe. Für Patagonien gilt ein gesetzlicher Abschlag auf den Gaspreis, der die Heizkosten dämpft.

Deutschsprachige Community

Keine eigene deutschsprachige Struktur, aber die Nähe hilft: Bariloche mit deutscher Schule, Vereinen und Vertretungen liegt von Villa La Angostura aus eine knappe Stunde entfernt. In San Martín de los Andes und Villa La Angostura leben europäische Zugezogene, viele davon selbst in erster Generation. Im Osten ist die Bevölkerung stark durch Zuzug aus dem ganzen Land geprägt — eine Boomregion, in der fast jeder von woanders kommt.

Sehenswürdigkeiten

Die Sieben-Seen-Straße zwischen Villa La Angostura und San Martín de los Andes. Der Nationalpark Lanín mit dem gleichnamigen Vulkan und den Araukarienwäldern. Der Nationalpark Laguna Blanca mit seinen Schwarzhalsschwänen. Das Skigebiet Cerro Chapelco. Die Thermen von Copahue und der Vulkan gleichen Namens. Die Dinosaurierfundstätten bei Plaza Huincul und Villa El Chocón, wo einige der größten Saurier der Welt ausgegraben wurden. Und die Weinstraße von San Patricio del Chañar.

Feste & Traditionen

Die Fiesta Nacional del Pehuén in Aluminé, das Fest der Araukarie und ihrer Samen, die von den Mapuche seit jeher geerntet werden. Die Fiesta Nacional de la Confluencia in der Stadt Neuquén. Die Weinfeste im Alto Valle und in San Patricio del Chañar, wo seit einigen Jahren patagonischer Wein wächst. Und das Nguillatún, die traditionelle Zeremonie der Mapuche-Gemeinschaften.

Wirtschaft & Chancen

Erdöl und Erdgas aus Vaca Muerta bestimmen die Wirtschaft und ziehen Fachkräfte aus dem ganzen Land an, dazu Obstbau im Alto Valle, Tourismus im Westen und ein wachsender Weinbau. Für Deutschsprachige realistisch sind Reiseleitung und kleine Unterkünfte in den Andenorten sowie Fernarbeit — die Verbindung in der Stadt Neuquén und in den größeren Orten ist gut. Wer im Öl- und Gassektor Erfahrung hat, findet hier den einzigen argentinischen Arbeitsmarkt mit echtem Fachkräftemangel.

Tipp

Der Westen der Provinz liegt im Grenzstreifen zur chilenischen Grenze — dort ist der Immobilienerwerb durch Ausländer genehmigungspflichtig, mit vorheriger Zustimmung aus Buenos Aires. Zweiter Punkt für den Osten: Der Ölboom hat Mieten und Kaufpreise in der Stadt Neuquén und in Añelo stark steigen lassen, und die Nachfrage ist an die Förderung gekoppelt. Wer dort kauft, sollte wissen, dass dieser Markt schneller kippen kann als anderswo.