🇦🇷 Argentinien
Corrientes
- Hauptstadt: Corrientes
- Einwohner: 1.197.553
- Fläche: 88.199 km²
- Typ: Die Provinzen
Corrientes liegt im Nordosten Argentiniens zwischen den Flüssen Paraná und Uruguay und zählt rund 1,2 Millionen Einwohner. Die Provinz ist flach, warm und wasserreich — ihr Herzstück sind die Esteros del Iberá, eines der größten Feuchtgebiete der Welt, das seit einigen Jahren als Nationalpark geschützt ist und in dem Jaguar, Ameisenbär und Sumpfhirsch wieder angesiedelt wurden. Die gleichnamige Hauptstadt liegt am Paraná gegenüber von Resistencia. Corrientes ist stark von der Guaraní-Kultur geprägt: Guaraní ist hier neben Spanisch offizielle Sprache, und die Musik der Provinz, der Chamamé, gehört zum immateriellen Weltkulturerbe.
Charakter
Subtropisch, musikalisch und gläubig. Der Alltag richtet sich nach der Hitze: früh am Morgen und spät am Abend wird gearbeitet, dazwischen ist Siesta. Chamamé wird nicht nur bei Festen gespielt, sondern gehört zum Wochenende wie das Grillen. Die Volksfrömmigkeit ist ausgeprägt, die Wallfahrt nach Itatí zieht Hunderttausende. Auf dem Land bestimmen Estancias, Reisfelder und Yerba-Mate-Plantagen das Bild, in den Iberá-Sümpfen leben die Menschen vom Naturtourismus.
Klima
Subtropisch und feucht, ohne Trockenzeit. Sommer von Dezember bis Februar mit 33 bis 38 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit — für Europäer die schwerste Zeit. Winter mild bei 20 bis 24 Grad am Tag, Frost gibt es fast nie. Regen fällt über das ganze Jahr, mit Schwerpunkt im Frühjahr und Herbst. Eine Klimaanlage ist hier keine Frage des Komforts, sondern der Wohnbarkeit; eine Heizung braucht man kaum.
Budget & Lebenshaltung
Günstig. Mieten und Immobilienpreise liegen deutlich unter dem Landesdurchschnitt, in der Hauptstadt wie auf dem Land. Lebenshaltung und Dienstleistungen sind ebenfalls billig. Was fehlt, ist die medizinische Spitzenversorgung — für Fachärzte fährt man nach Corrientes-Stadt oder gleich nach Resistencia gegenüber. Wer Wärme mag und sparsam leben will, findet hier viel für wenig; wer Kühle braucht, ist hier falsch.
Deutschsprachige Community
Keine gewachsene deutschsprachige Gemeinschaft. Die Einwanderungsgeschichte ist italienisch, spanisch und stark von den Nachbarländern Paraguay und Brasilien geprägt. Deutschsprachige Ansprechpartner findet man erst in Buenos Aires oder — für manche Anliegen — bei den Honorarvertretungen in Posadas in der Nachbarprovinz Misiones. Wer hierherzieht, lebt auf Spanisch, und ein wenig Guaraní im Ohr hilft im Alltag mehr als jede Vokabelliste.
Sehenswürdigkeiten
Der Nationalpark Iberá mit Bootstouren, Wildbeobachtung und den wiederangesiedelten Jaguaren, erreichbar über Colonia Carlos Pellegrini. Die Uferpromenade der Hauptstadt am Paraná. Die Basilika von Itatí. Der Wallfahrtsort des Gauchito Gil bei Mercedes. Die Ruinen der Jesuitenmission Santa María la Mayor an der Grenze zu Misiones. Und die Thermalbäder von Mercedes und Curuzú Cuatiá.
Feste & Traditionen
Der Karneval von Corrientes im Januar und Februar, nach dem von Gualeguaychú der größte Argentiniens, mit Comparsas und wochenlangen Umzügen. Die Fiesta Nacional del Chamamé im Januar in der Hauptstadt. Die Wallfahrt zur Virgen de Itatí im Juli, zu der Hunderttausende kommen. Und die Verehrung des Gauchito Gil bei Mercedes, an dessen Gedenktag im Januar Zehntausende in Rot gekleidet zusammenkommen.
Wirtschaft & Chancen
Reis, Yerba Mate, Zitrusfrüchte, Forstwirtschaft und Rinderzucht tragen die Provinz, dazu ein wachsender Naturtourismus rund um Iberá. Für Deutschsprachige realistisch ist am ehesten eine kleine Unterkunft oder Reiseleitung im Umfeld des Nationalparks — dort wächst die Nachfrage, und deutschsprachige Gäste kommen. Angestellte Arbeit vor Ort gibt es kaum, und die Internetverbindung ist außerhalb der Städte oft schwach.
Tipp
Wer hier ein Haus ansieht, sollte zuerst nach der Hochwasserlage fragen. Der Paraná und die Nebenflüsse treten in nassen Jahren über die Ufer, und ganze Stadtteile wie auch Dörfer im Iberá-Gebiet sind davon regelmäßig betroffen. Frag nach dem letzten großen Hochwasser und danach, wie weit das Wasser damals kam — im Grundbuch steht das nicht.