🇦🇷 Argentinien
Córdoba und die Sierras
- Hauptstadt: Córdoba
- Einwohner: 1.500.000
- Fläche: 576 km²
- Typ: Wo Auswanderer leben
Córdoba liegt in der Mitte Argentiniens und ist mit rund 1,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Sie ist zugleich die älteste Universitätsstadt Südamerikas — die Universidad Nacional de Córdoba wurde 1613 gegründet, ihr Kolonialviertel gehört zum Weltkulturerbe. Vor den Toren der Stadt beginnen die Sierras de Córdoba, ein Mittelgebirge mit Flusstälern, Stauseen und Dörfern, in denen der Zuzug seit Jahren anhält. Für deutschsprachige Auswanderer ist die Region interessant, weil hier zwei Dinge zusammenkommen, die sonst getrennt liegen: eine vollwertige Großstadt mit Kliniken, Schulen und Flughafen — und zwanzig Autominuten weiter ein Bergdorf mit Fluss vor der Tür.
Charakter
Eine junge Stadt mit alter Substanz: Kolonialkirchen und Studentenkneipen im selben Viertel, über 100.000 Studierende, entsprechend viel Musik und Nachtleben. Der cordobesische Tonfall mit seiner gedehnten Sprachmelodie ist im ganzen Land bekannt. Draußen in den Sierras kippt der Takt vollständig — dort bestimmen Flusstal, Wanderweg und Dorfplatz den Tag, und die Wochenenden gehören den Städtern, die zum Ausspannen herauskommen.
Klima
Gemäßigt und trocken, mit deutlich milderen Wintern als Patagonien und weniger Schwüle als Buenos Aires. Sommer von Dezember bis Februar mit 28 bis 33 Grad und Gewittern am Nachmittag, Winter mit 18 bis 20 Grad am Tag und Nachtfrost in den Sierras. Die Höhenlage der Bergdörfer macht den Sommer angenehm — das ist der Grund, warum die Sierras seit über hundert Jahren als Sommerfrische gelten.
Budget & Lebenshaltung
Deutlich günstiger als Buenos Aires bei ähnlicher städtischer Ausstattung — für viele das beste Preis-Leistungs-Verhältnis Argentiniens. In der Stadt wohnt man in Nueva Córdoba und Güemes zentral und lebendig, in Cerro de las Rosas ruhiger und gehobener. In den Sierras liegen Villa General Belgrano und La Cumbrecita am oberen Ende, La Falda, Capilla del Monte und die kleineren Dörfer deutlich darunter. Eine europäische Rente reicht hier weit.
Deutschsprachige Community
Die zweitwichtigste deutschsprachige Landschaft Argentiniens nach Buenos Aires. In der Stadt gibt es eine deutsche Schule und ein deutsches Honorarkonsulat, dazu österreichische und Schweizer Vertretungen. In den Sierras liegt Villa General Belgrano, ein von deutschsprachigen Einwanderern gegründeter Ort mit Fachwerkfassaden, Konditoreien und dem größten Oktoberfest Südamerikas; die Nachbardörfer La Cumbrecita und Villa Alpina gehen auf dieselbe Einwanderung zurück. Wer Deutsch im Alltag hören will, findet das hier außerhalb von Buenos Aires am ehesten.
Sehenswürdigkeiten
Die Manzana Jesuítica in der Altstadt, Weltkulturerbe, mit Universität, Kirche und Kolleg aus dem 17. Jahrhundert, dazu die fünf Jesuitenestancias im Umland. Villa General Belgrano mit seinen Brauereien und Konditoreien. Das autofreie Bergdorf La Cumbrecita. Capilla del Monte am Cerro Uritorco. Der Stausee San Roque bei Villa Carlos Paz. Die Quebrada del Condorito mit den Andenkondoren. Und die Straße der Camino de las Altas Cumbres über den Bergkamm.
Feste & Traditionen
Das Oktoberfest in Villa General Belgrano, die Fiesta Nacional de la Cerveza, jedes Jahr im Oktober mit Zehntausenden Besuchern. Das Festival de Cosquín im Januar, das wichtigste Folklorefestival Argentiniens. Die Fiesta Nacional del Chivito in Quilino. Und in der Stadt selbst das Universitätsleben mit seinen Konzerten, dazu die Prozessionen und Feste rund um die Jesuitenkirchen der Altstadt.
Wirtschaft & Chancen
Córdoba ist Industrie- und Technologiestandort — Fahrzeugbau, Software, Dienstleistung — und durch die Universität ein Zentrum für Ausbildung und Forschung. Für Deutschsprachige realistisch sind Sprachunterricht und Übersetzung, Tourismus in den Sierras, eine kleine Unterkunft und Fernarbeit für europäische Auftraggeber; die Verbindung in der Stadt gehört zu den besten des Landes. In den Bergdörfern lebt fast alles vom Sommer- und Wochenendtourismus.
Tipp
Sieh dir vor einem Kauf in den Sierras die Wasserversorgung an. Viele Dörfer hängen an kleinen Netzen oder an eigenen Brunnen, und in den trockenen Sommern wird das Wasser knapp. Frag im Ort nach, wie es im letzten Februar war — nicht im Immobilienbüro, sondern beim Nachbarn. Dieselbe Frage gilt den Waldbränden: Die Sierras brennen fast jeden Sommer, und die Lage eines Hauses zum Hang entscheidet mit.