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🇦🇷 Argentinien

Chubut

Chubut

Chubut liegt in Patagonien zwischen Atlantik und Anden und zählt rund 604.000 Einwohner auf einer Fläche, die größer ist als Großbritannien. Die Provinz hat zwei Gesichter: An der Küste liegen Puerto Madryn, Trelew und die Halbinsel Valdés, die zum Weltnaturerbe gehört; im Westen an der chilenischen Grenze die Andentäler um Esquel und Trevelin mit Wäldern, Seen und Skibetrieb. Dazwischen liegt eine trockene Hochsteppe, in der mehr Schafe als Menschen leben. Eine Besonderheit Argentiniens findet sich hier: Im Chubut-Tal siedelten ab 1865 Waliser, und ihre Nachfahren pflegen Sprache, Teestuben und Chöre bis heute.

Charakter

Weite, Wind und Wasser. Die Küste ist karg und tierreich, mit Klippen, Buchten und einer der besten Stellen der Welt, um Wale von Land aus zu sehen. Die Steppe dazwischen ist leer, der Wind steht fast immer. Im Westen dagegen Andenwald, Flüsse und Seen, dazu Esquel und Trevelin, wo walisische Namen an Straßen und Läden stehen. Der Ton ist nüchtern und selbstbewusst — patagonisch eben.

Klima

Trocken, kühl und windig. An der Küste Sommer um 22 bis 26 Grad und Winter um 6 bis 10 Grad am Tag, mit ständigem Westwind. In den Andentälern im Westen fällt deutlich mehr Niederschlag, dort liegt im Winter Schnee, und es wird von April bis Oktober geheizt. Die Steppe dazwischen ist eine der trockensten Landschaften Argentiniens. Wer aus Norddeutschland kommt, kennt den Wind — hier ist er stärker und hört seltener auf.

Budget & Lebenshaltung

Uneinheitlich. Puerto Madryn und Esquel liegen im mittleren Bereich, in den Küstenstädten Trelew und Comodoro Rivadavia wohnt man günstiger. Zu beachten sind die Kosten des Lebens im Süden: Lebensmittel und Baumaterial sind teurer, weil alles über weite Strecken herangefahren wird, und geheizt wird sechs bis sieben Monate im Jahr. Dafür gilt für Patagonien ein gesetzlicher Abschlag auf den Gaspreis, der die Heizkosten spürbar dämpft.

Deutschsprachige Community

Die walisische Prägung im Chubut-Tal ist einzigartig in Südamerika: In Gaiman und Trevelin wird Walisisch noch gesprochen, es gibt Chöre, Teestuben und das Eisteddfod, ein Dichter- und Sängerfest. Deutschsprachige Zuwanderung ist dagegen gering; die nächsten Vertretungen und die deutsche Schule liegen in Bariloche, rund drei Stunden von Esquel entfernt. Wer hier lebt, lebt auf Spanisch — mit einer freundlichen europäischen Fußnote im Tal.

Sehenswürdigkeiten

Die Halbinsel Valdés mit Südkapern, Seeelefanten, Orcas und Seelöwen, Weltnaturerbe. Punta Tombo mit einer der größten Magellanpinguin-Kolonien der Welt. Puerto Madryn als Ausgangspunkt für Wal- und Tauchfahrten. Die walisischen Teestuben von Gaiman. Das Paläontologiemuseum in Trelew mit den Funden der größten bekannten Dinosaurier. Der Nationalpark Los Alerces bei Esquel mit tausendjährigen Zypressen, ebenfalls Weltnaturerbe. Und die Schmalspurbahn La Trochita.

Feste & Traditionen

Das Eisteddfod in Trelew und Trevelin, das walisische Fest für Dichtung, Gesang und Musik im Oktober. Die Fiesta Nacional del Esquí in La Hoya bei Esquel. Die Fiesta Nacional del Trekking in Esquel. Die Walsaison an der Halbinsel Valdés von Juni bis Dezember, die den Rhythmus der Küstenorte bestimmt. Und der walisische Nachmittagstee in den Teestuben von Gaiman, der längst zur Institution geworden ist.

Wirtschaft & Chancen

Erdöl und Erdgas rund um Comodoro Rivadavia, Schafzucht und Wolle in der Steppe, Fischerei und Aluminiumverarbeitung an der Küste, dazu Tourismus an beiden Enden der Provinz. Für Deutschsprachige realistisch sind Reiseleitung und kleine Unterkünfte in Puerto Madryn oder Esquel sowie Fernarbeit — die Verbindung ist in den Städten brauchbar, in der Steppe nicht. Angestellte Arbeit im Tourismus ist stark saisonabhängig.

Tipp

Chubut liegt vollständig in der Grenzzone — sowohl entlang der chilenischen Grenze als auch an der Küste. Wer hier als Ausländer ein Grundstück erwerben will, braucht die vorherige Zustimmung einer Behörde in Buenos Aires, und das dauert Monate. Beantrage sie, bevor du einen Vorvertrag unterschreibst, nicht danach. Und rechne beim Bau mit dem Wind: Er bestimmt Ausrichtung, Fenster und Dach stärker als die Aussicht.