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Auto & Verkehr

Auto und Verkehr in Argentinien: In der Stadt 0,5 Promille, auf der Bundesstraße daneben null

Beim Alkohol am Steuer hat Argentinien keinen einheitlichen Grenzwert: Auf Nationalstraßen gilt seit 2023 null, in achtzehn Provinzen auch auf deren eigenen Straßen — in der Stadt Buenos Aires, Mendoza, Misiones, Corrientes, San Juan und Santa Fe dagegen weiter 0,5. Dazu: Dein europäischer Führerschein lässt sich nicht einfach umtauschen, Autos sind deutlich teurer als in Europa, und für eine Fahrt über die chilenische Grenze braucht ein fremder Fahrer eine notarielle Vollmacht.

12 Min. Lesezeit · 🇦🇷 Argentinien

Auto und Verkehr in Argentinien: In der Stadt 0,5 Promille, auf der Bundesstraße daneben null

Du sitzt in einem Restaurant in Buenos Aires, trinkst ein Glas Malbec zum Essen und fährst nach Hause. In der Stadt ist das erlaubt — dort gilt bis heute die Grenze von 0,5 Gramm je Liter Blut. Fährst du am nächsten Morgen dieselbe Strecke weiter auf einer Nationalstraße hinaus aufs Land, gilt dort null. Ohne Toleranz.

Argentinien hat beim Alkohol am Steuer keine einheitliche Regel, sondern einen Flickenteppich. Wer das nicht weiß, verliert den Führerschein an einer Kontrolle, die er für dieselbe Situation hält wie die am Vorabend.

DIE ALKOHOLREGEL, GENAU

Seit 2023 gilt auf allen Nationalstraßen die Nulltoleranz. Für Berufskraftfahrer und für Motorradfahrer gilt sie ohnehin überall.

Auf den Straßen der Provinzen kommt es darauf an, ob die Provinz das Gesetz übernommen hat. Achtzehn Provinzen haben Nulltoleranz. Bei der Stadt Buenos Aires, Mendoza, Misiones, Corrientes, San Juan und Santa Fe gilt für Privatfahrzeuge weiterhin die Grenze von 0,5 — mit Ausnahmen einzelner Städte, in Santa Fe etwa gilt in Rosario und in der Provinzhauptstadt selbst die Null.

Der praktische Rat ist einfach: Wenn du fährst, trink nichts. Der Vorteil der 0,5-Grenze ist zu klein für das Risiko, sie an der falschen Straße zu übertreten.

DEIN FÜHRERSCHEIN

Als Besucher fährst du mit deinem deutschen, österreichischen oder Schweizer Führerschein, am besten zusammen mit dem Internationalen Führerschein.

Sobald du hier lebst, brauchst du die argentinische "licencia nacional de conducir". Sie wird von den Gemeinden ausgegeben, und Voraussetzung ist der DNI. Rechne damit, dass du sie neu erwirbst — mit ärztlicher Untersuchung, Theorie- und Fahrprüfung. Ein einfacher Umtausch deines europäischen Scheins ist nicht vorgesehen. Weil die Ausgabe kommunal ist, unterscheiden sich Abläufe und Termine von Ort zu Ort; frag bei deiner Gemeinde nach, sobald der DNI da ist.

Die Prüfung läuft auf Spanisch. Das ist für viele Zugezogene der eigentliche Aufwand, nicht das Fahren selbst.

DAS AUTO SELBST MITBRINGEN? BESSER NICHT

Die Einfuhr des eigenen Wagens ist theoretisch möglich und praktisch selten sinnvoll. Argentinien belegt Fahrzeugeinfuhren mit hohen Abgaben und schützt seinen Markt; die Kosten und der Papierkram übersteigen den Wert eines gebrauchten Mittelklassewagens regelmäßig.

Dafür musst du wissen: Autos sind in Argentinien deutlich teurer als in Europa, auch gebrauchte. Wer aus Deutschland kommt, erlebt hier einen echten Preisschock. Kalkuliere das Auto großzügig, nicht nach europäischem Gefühl.

WAS BEIM KAUF PASSIERT

Fahrzeuge sind in Argentinien in einem staatlichen Register erfasst, dem "Registro Nacional de la Propiedad del Automotor". Der Eigentumsübergang — die "transferencia" — läuft dort, nicht privat zwischen zwei Menschen mit einem Formular.

Dazu gehören eine polizeiliche Fahrzeugprüfung, bei der Fahrgestell- und Motornummer abgeglichen werden, und die Vorlage der Papiere. Der Ausweis des Fahrzeugs heißt "cédula verde".

Lass die Übertragung wirklich eintragen. Ein Auto, das noch auf den Vorbesitzer läuft, bringt dir Bußgelder und Haftungsfragen, die nicht deine sind.

Für die Kfz-Steuer — "patente" — ist die Provinz zuständig; die Sätze unterscheiden sich erheblich. Und eine Haftpflichtversicherung ist Pflicht: Artikel 68 des Verkehrsgesetzes 24.449 schreibt sie vor, ohne sie darfst du nicht fahren.

DIE TECHNISCHE PRÜFUNG

Das argentinische Gegenstück zum TÜV heißt VTV, "Verificación Técnica Vehicular". Sie ist in der Stadt und in der Provinz Buenos Aires sowie in weiteren Provinzen vorgeschrieben; die Abstände hängen vom Alter des Fahrzeugs ab. Weil die Regelung Sache der Provinzen ist, gilt sie nicht überall gleich — frag an deinem Wohnort nach.

WAS IM AUTO LIEGEN MUSS

Bei Kontrollen wird nach denselben Dingen gefragt: Führerschein, cédula verde, gültige Versicherungspolice, Nachweis der technischen Prüfung, Feuerlöscher, Warndreiecke und eine funktionierende Beleuchtung.

Und eine Regel, die viele Europäer übersehen: Auf Landstraßen und Autobahnen ist Abblendlicht auch am Tag Pflicht.

FAHREN AUF DEM LAND

Argentinien ist groß, und die Entfernungen sind größer, als die Landkarte vermuten lässt. Buenos Aires nach Bariloche sind rund 1.600 Kilometer, nach Salta ähnlich weit.

Vier Dinge, die auf argentinischen Landstraßen zählen:

Die meisten Fernstraßen sind einspurig je Richtung, mit Gegenverkehr und Lastwagen. Überholen ist der gefährlichste Teil jeder Fahrt.

Fahr nach Möglichkeit nicht nachts. Wild, Nutztiere auf der Fahrbahn, unbeleuchtete Fahrzeuge und schlechte Fahrbahnränder sind eine reale Kombination, besonders in Patagonien und im Nordwesten.

Tank früh. Zwischen zwei Tankstellen können in Patagonien und im Norden zweihundert Kilometer liegen.

Nimm Wasser und eine warme Decke mit. Eine Panne ist dort kein Ärgernis, sondern eine Wartezeit.

Auf vielen Strecken werden Mautgebühren erhoben — "peaje". Halte Bargeld bereit, auch wenn viele Stellen inzwischen elektronisch abrechnen.

WENN JEMAND ANDERES FÄHRT

Innerhalb Argentiniens darf dein Auto fahren, wer einen gültigen Führerschein hat — eine gesonderte Erlaubnis brauchst du dafür nicht.

Anders wird es an der Grenze: Wer mit einem Fahrzeug nach Chile, Uruguay, Brasilien oder Paraguay fährt, das nicht auf ihn zugelassen ist, braucht eine notariell beglaubigte Vollmacht des Eigentümers. Ohne sie endet die Reise am Zoll. Das ist bei Ausflügen über die chilenische Grenze der häufigste Stolperstein überhaupt.

OHNE EIGENES AUTO

In den großen Städten geht es gut ohne Auto. Buenos Aires hat ein dichtes Netz aus Bussen ("colectivos"), U-Bahn ("subte") und Vorortbahnen; bezahlt wird mit der SUBE-Karte, die du in Kiosken auflädst.

Zwischen den Städten fahren Fernbusse, und zwar auf einem Niveau, das es in Europa nicht gibt: "cama" und "semi-cama" mit weit zurückklappbaren Sitzen, Bordverpflegung, Nachtfahrten über tausend Kilometer. Für Strecken bis etwa zwölf Stunden sind sie die vernünftige Wahl, darüber lohnt der Flug.

Das Eisenbahnnetz ist dagegen ein Schatten seiner Vergangenheit und für den Alltag kaum brauchbar.

WAS DAS FÜR DICH HEISST

Der Verkehr ist ruppiger als in Deutschland: enger überholt, seltener geblinkt, Motorräder zwischen den Spuren. Defensiv fahren ist hier keine Tugend, sondern Technik.

Drei Dinge in den ersten Monaten: den DNI abwarten und dann die argentinische Fahrerlaubnis angehen. Beim Autokauf auf die eingetragene Übertragung bestehen. Und die Haftpflicht deutlich über der gesetzlichen Mindestdeckung abschließen — die Beträge, die argentinische Gerichte zusprechen, liegen weit über dem, was die Pflichtpolice trägt.

Und beim Wein: Wenn du fährst, gar nichts. Das ist in einem Land mit uneinheitlichen Grenzwerten die einzige Regel, die überall stimmt.

Stand: 8.8.2026

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