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Arbeit und Beruf

Arbeit und Beruf in Argentinien: Der Arbeitgeber muss in einem Register stehen, sonst geht gar nichts

Wer angestellt arbeiten will, braucht einen Arbeitgeber, der im RENURE eingetragen ist — dem Register der Betriebe, die Ausländer beschäftigen dürfen. Kleine Firmen stehen dort meist nicht. Dazu die Reform von 2024: sechs Monate Probezeit statt drei. Für Selbständige führt der Weg über den Monotributo bei der ARCA, und reglementierte Berufe brauchen Anerkennung plus Eintragung in die Berufskammer.

12 Min. Lesezeit · 🇦🇷 Argentinien

Arbeit und Beruf in Argentinien: Der Arbeitgeber muss in einem Register stehen, sonst geht gar nichts

Wer in Argentinien angestellt arbeiten will, braucht einen Arbeitgeber, der in einem staatlichen Verzeichnis eingetragen ist: dem RENURE, dem nationalen Register der Unternehmen, die Ausländer beschäftigen dürfen.

Das ist der Punkt, an dem die meisten Bewerbungen enden, bevor sie richtig anfangen. Ein kleiner Betrieb, der noch nie einen Ausländer eingestellt hat, steht dort nicht — und wird sich den Aufwand für einen einzelnen Bewerber selten machen.

Wer also mit dem Gedanken spielt, in Argentinien eine Anstellung zu suchen, sollte diese Frage im ersten Gespräch stellen, nicht im vierten.

DIE EHRLICHE EINORDNUNG VORWEG

Für die meisten Menschen über fünfzig, die nach Argentinien ziehen, ist der argentinische Arbeitsmarkt nicht der Weg.

Die Löhne sind im internationalen Vergleich niedrig — der gesetzliche Mindestlohn lag im August 2026 bei 376.600 Pesos im Monat. Die Sprache ist Voraussetzung, nicht Zusatz. Und der Arbeitsmarkt ist für ältere Bewerber schwierig, offener als in Europa darüber gesprochen wird.

Der tragfähige Weg heißt in aller Regel: Einkommen aus dem Ausland — Rente, Mieten, Zinsen, oder Arbeit für europäische Auftraggeber. Genau darauf sind auch die beiden Aufenthaltstitel zugeschnitten, die Ruheständlern offenstehen.

WENN DU DOCH ANGESTELLT ARBEITEST

Das argentinische Arbeitsrecht steht im Arbeitsvertragsgesetz 20.744 und ist traditionell arbeitnehmerfreundlich.

Was dazugehört: das "aguinaldo", ein dreizehntes Monatsgehalt, das in zwei Hälften im Juni und im Dezember ausgezahlt wird. Bezahlter Urlaub, gestaffelt nach Betriebszugehörigkeit, beginnend bei vierzehn Kalendertagen. Und eine Abfindung bei Kündigung ohne wichtigen Grund, die sich nach Dienstjahren bemisst.

Die Sozialabgaben zieht der Arbeitgeber ein. Mit der Anstellung kommst du automatisch in die "obra social" deiner Branche — die gewerkschaftlich getragene Krankenkasse — und in die Arbeitsunfallversicherung ART.

WAS DIE REFORM VON 2024 GEÄNDERT HAT

Das Gesetz 27.742, die sogenannte "Ley Bases", hat das Arbeitsrecht spürbar umgebaut.

Die Probezeit wurde von drei auf sechs Monate verlängert; Tarifverträge können sie in kleineren Betrieben noch weiter ausdehnen. In dieser Zeit kann ohne Abfindung gekündigt werden.

Daneben wurde ein "Fondo de Cese Laboral" eingeführt: Tarifparteien können vereinbaren, dass statt der klassischen Abfindung in einen Fonds eingezahlt wird — nach dem Vorbild des Bausektors.

Und es gibt eine neue Figur für kleine Selbständige, die mit wenigen Mitarbeitenden arbeiten, ohne dass daraus ein klassisches Arbeitsverhältnis wird.

Für dich als Neuankömmling heißt das vor allem eins: Die ersten sechs Monate sind rechtlich fragiler als früher. Verlass dich in dieser Zeit nicht auf den Job als einzige Grundlage deines Aufenthalts.

SELBSTÄNDIG: DER MONOTRIBUTO

Der übliche Weg für kleine Selbständige ist der "Monotributo" — eine Pauschale, die Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Sozialabgaben in einem Betrag zusammenfasst.

Du meldest dich bei der ARCA, der früheren AFIP, an und wählst eine Umsatzstufe. Der Beitrag richtet sich nach der Stufe, nicht nach dem tatsächlichen Gewinn. Wer die Obergrenze seiner Stufe überschreitet, wechselt — und wer die Höchstgrenze überschreitet, fällt in das allgemeine System als "responsable inscripto" mit Umsatzsteuer und regulärer Buchführung.

Zwei Dinge, die dabei gern übersehen werden. Erstens: Der Monotributo befreit von Einkommen- und Umsatzsteuer, nicht von der Vermögensteuer — liegt dein weltweites Vermögen über dem Freibetrag, zahlst du sie trotzdem. Zweitens: Zu jedem Auftrag gehört eine elektronische Rechnung, die "factura", über das System der ARCA. Ohne factura kein legales Geschäft.

Dazu kommt in den meisten Provinzen die Bruttoumsatzsteuer "Ingresos Brutos" — eine eigene Anmeldung, eine eigene Erklärung.

FÜR EUROPÄISCHE KUNDEN ARBEITEN

Das ist für viele der realistische Weg: der Wohnsitz in Argentinien, die Auftraggeber in Europa.

Rechtlich brauchst du dafür einen Aufenthaltstitel, der Erwerbstätigkeit erlaubt. Für kürzere Aufenthalte gibt es seit 2022 einen eigenen Titel für digitale Nomaden.

Steuerlich musst du wissen: Sobald du in Argentinien steuerlich ansässig bist — bei einer Daueraufenthaltserlaubnis sofort, sonst nach zwölf durchgehenden Monaten mit befristeten Aufenthaltserlaubnissen — versteuerst du dort dein weltweites Einkommen. Auch das, was ein Kunde in München überweist.

Die Ausfuhr von Dienstleistungen wird umsatzsteuerlich begünstigt behandelt. Wie das in deinem Fall aussieht, gehört zu den Fragen, die ein argentinischer "contador público" in einer Stunde beantwortet und die man nicht selbst zusammenrätselt.

DEIN BERUFSABSCHLUSS

Ein deutscher, österreichischer oder Schweizer Abschluss gilt in Argentinien nicht automatisch.

Für die reglementierten Berufe — Medizin, Zahnmedizin, Pflege, Recht, Architektur, Ingenieurwesen, Psychologie — brauchst du die Anerkennung des Diploms und danach die Eintragung in die "matrícula" der zuständigen Berufskammer, meist auf Provinzebene.

Der Weg über die Anerkennung eines ausländischen Diploms ist langwierig und endet je nach Fach mit Prüfungen oder Auflagen. Wer diesen Weg gehen will, beginnt damit ein Jahr vor dem Umzug, nicht danach.

Handwerkliche Berufe sind unkomplizierter — mit einer wichtigen Ausnahme: Gasarbeiten dürfen nur zugelassene Installateure ausführen, die "gasistas matriculados". Wer als Deutscher meint, seine Gasleitung selbst legen zu dürfen, riskiert nicht nur ein Bußgeld.

WAS SICH GUT TRÄGT

Drei Felder, in denen deutschsprachige Zugezogene tatsächlich Fuß fassen:

Sprache und Übersetzung. Deutschunterricht, Übersetzungen, Nachhilfe an den deutschen Schulen — der Bedarf ist da, und die deutsche Schullandschaft in Argentinien ist groß.

Tourismus. Deutschsprachige Reiseleitung, kleine Unterkünfte, Weinreisen in Mendoza, Bergführungen in Patagonien. Wer Land und Sprache kennt, hat hier einen echten Vorsprung.

Fernarbeit für Europa. Beratung, Buchhaltung, Programmierung, Gestaltung — alles, was mit einer verlässlichen Leitung funktioniert.

WAS DAS FÜR DICH HEISST

Wenn Arbeit Teil deines Plans ist, klär drei Dinge vor dem Flug: Ist mein Abschluss hier überhaupt verwertbar, oder brauche ich ein Anerkennungsverfahren? Reicht mein Spanisch für Kundengespräche, nicht nur für den Supermarkt? Und trägt mein Einkommen auch dann, wenn im ersten Jahr gar nichts läuft?

Wenn du eine Anstellung suchst, stell die RENURE-Frage sofort. Wenn du selbständig arbeitest, hol dir für die Anmeldung einen "contador" — die zweihundert Euro für den Start sparen dir ein Jahr Ärger.

Und wenn dein Einkommen ohnehin aus Europa kommt: Behandle das als das, was es ist — der ruhigste und sicherste Weg von allen.

Stand: 8.8.2026

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