Anmeldung und Wohnsitz
Anmeldung und Wohnsitz in Argentinien: Der Aufenthalt, der plötzlich nicht mehr zählt
Mit deutschem Pass darfst du drei Monate bleiben, einmal verlängerbar — aber kein Tag davon zählt später als Aufenthalt. Seit dem Dekret 366/2025 gilt das auch für die vorläufige Bescheinigung während des laufenden Antrags: Sie erlaubt dir zu bleiben und zu arbeiten, zählt aber weder für die Daueraufenthaltserlaubnis noch für die Staatsbürgerschaft. Wer das nicht weiß, sammelt anderthalb Jahre und fängt danach bei null an.
Argentinien lässt dich erst einmal einfach herein. Mit deutschem, österreichischem oder Schweizer Pass brauchst du kein Visum, du bekommst am Flughafen einen Stempel und darfst drei Monate bleiben. Genau diese Freundlichkeit am Anfang ist der Grund, warum so viele später in Schwierigkeiten geraten: Der Stempel fühlt sich an wie ein Anfang. Er ist aber keiner.
DIE ERSTEN DREI MONATE
Als Tourist bist du ein "residente transitorio" nach Artikel 24 des Migrationsgesetzes 25.871. Der zugelassene Aufenthalt beträgt bis zu drei Monate und lässt sich einmal um denselben Zeitraum verlängern — die "prórroga de permanencia" bei der Dirección Nacional de Migraciones.
Zwei Dinge musst du dabei wissen. Erstens: Der Antrag auf Verlängerung muss gestellt sein, bevor die Frist abläuft. Ist sie einmal abgelaufen, gibt es keine Verlängerung mehr; dann brauchst du eine "habilitación de salida", um das Land überhaupt wieder verlassen zu dürfen, und zahlst eine Strafgebühr. Zweitens: Als Tourist darfst du nicht arbeiten — weder angestellt noch selbständig.
Der beliebte Trick, alle drei Monate für einen Tag nach Uruguay zu fahren und mit frischem Stempel zurückzukommen, ist keine Lösung. Er ist nirgends verboten und wird oft geduldet, aber er baut nichts auf: Kein einziger Tag davon zählt später als Aufenthalt.
DIE BEIDEN WEGE FÜR MENSCHEN MIT RENTE ODER VERMÖGEN
Argentinien kennt zwei Aufenthaltstitel, die auf Geld aus dem Ausland gebaut sind.
Der Pensionado ist für dich, wenn du eine Rente beziehst — gesetzlich, betrieblich oder aus einer Versorgungseinrichtung. Der Rentista ist für dich, wenn du von Mieteinnahmen, Zinsen, Dividenden oder ähnlichen laufenden Einkünften lebst.
Beide verlangen dasselbe: ein monatliches Einkommen in Höhe des fünffachen argentinischen Mindestlohns. Der Mindestlohn liegt im August 2026 bei 376.600 Pesos, die Schwelle also bei rund 1.883.000 Pesos im Monat — grob 1.400 bis 1.500 US-Dollar. Diese Zahl wandert, weil der Mindestlohn regelmäßig angehoben wird. Rechne vor jedem Antrag neu.
Wichtig ist die Herkunft des Geldes: Es muss aus dem Ausland kommen. Ein argentinisches Gehalt oder Honorar zählt für diese beiden Wege nicht.
WIE DER ANTRAG LÄUFT
Der Antrag läuft über RaDEX, die Online-Plattform der Migrationsbehörde. Du lädst deine Unterlagen hoch und bekommst einen Termin zur Abgabe der Fingerabdrücke.
Was du brauchst: gültigen Reisepass, Nachweis über deine Einkünfte, ein polizeiliches Führungszeugnis aus deinem Herkunftsland, ein argentinisches Führungszeugnis, wenn du schon länger im Land bist, und einen Nachweis deiner Adresse in Argentinien.
Alle ausländischen Papiere brauchen zweierlei: eine Apostille und eine beglaubigte Übersetzung durch einen "traductor público". Eine deutsche Übersetzung, so gut sie auch ist, wird ohne diesen Stempel nicht angenommen. Das ist der Punkt, an dem die meisten Anträge Wochen verlieren.
DER PUNKT, DEN KAUM JEMAND KENNT
Solange dein Antrag läuft, bekommst du eine "residencia precaria". Sie erlaubt dir, im Land zu bleiben, zu arbeiten, ein Konto zu eröffnen und wieder ein- und auszureisen. Sie fühlt sich an wie ein Aufenthaltstitel.
Seit dem Dekret 366/2025 vom 29. Mai 2025 gilt sie höchstens 90 Tage statt bisher 180 — und der entscheidende Satz steht direkt daneben: Die precaria zählt nicht als Aufenthalt, um "arraigo" nachzuweisen. Also weder für die Daueraufenthaltserlaubnis noch für die Staatsbürgerschaft.
Wer also anderthalb Jahre mit einer verlängerten precaria im Land lebt und meint, er habe damit anderthalb Jahre gesammelt, fängt danach bei null an.
WAS 2025 SONST STRENGER WURDE
Dasselbe Dekret hat mehr verändert, als in Reiseführern steht:
Für die Daueraufenthaltserlaubnis musst du jetzt ausreichende eigene Mittel nachweisen und darfst keine einschlägigen Vorstrafen haben. Beides war vorher keine Voraussetzung.
Deine Aufenthaltserlaubnis kann widerrufen werden, wenn du zu lange weg bist: bei befristetem Aufenthalt ab sechs Monaten Abwesenheit, bei dauerhaftem ab einem Jahr. Wer mit einem Bein in Europa bleibt, muss das im Kalender führen.
Die Zuständigkeit für die Einbürgerung ist von den Bundesgerichten zur Migrationsbehörde gewandert, und verlangt werden zwei Jahre durchgehender, tatsächlicher Aufenthalt.
Außerhalb des Notfalls hängt der Zugang zur staatlichen Gesundheitsversorgung für Nichtansässige inzwischen an einer Krankenversicherung oder an Selbstzahlung. Der Notfall bleibt für jeden offen, unabhängig vom Papierstatus.
DER DNI — DAS DOKUMENT, DAS ALLES AUFSCHLIESST
Erst wenn dein Aufenthaltstitel bewilligt ist, bekommst du den DNI, den argentinischen Personalausweis. Ausgestellt wird er vom Registro Nacional de las Personas (RENAPER), Termin über argentina.gob.ar.
Zwei Fristen dazu: Deine Aufenthaltserlaubnis darf nicht innerhalb der nächsten 60 Tage ablaufen, sonst nimmt RENAPER den Antrag nicht an. Und Verlängerungen einer befristeten Aufenthaltserlaubnis müssen innerhalb der letzten 60 Tage vor Ablauf beantragt werden — bei der Touristenerlaubnis sind es nur die letzten 10 Tage.
Ohne DNI geht in Argentinien fast nichts: kein Bankkonto in Pesos, kein Mietvertrag auf deinen Namen, kein Stromanschluss, keine Krankenversicherung. Mit dem DNI kommt auch die CUIL beziehungsweise CUIT, die Steuer- und Sozialversicherungsnummer, ohne die weder ein Arbeitsverhältnis noch eine Rechnung möglich ist.
DEIN WOHNSITZ, KONKRET
Deine Adresse ist im DNI eingetragen. Ziehst du um, meldest du die Änderung bei RENAPER — das ist keine Formsache, weil Behörden und Gerichte an diese Adresse zustellen.
Als Adressnachweis für den Antrag dienen je nach Stelle eine Rechnung eines Versorgers auf deinen Namen, ein Mietvertrag oder ein "certificado de domicilio" der örtlichen Polizei. Wer zur Untermiete wohnt, sollte das früh klären: Ohne Papier auf den eigenen Namen wird es zäh.
UND ZU HAUSE
Vergiss die andere Seite nicht. Die Abmeldung in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist der Schalter, der über Steuerpflicht, Krankenversicherung und Rentenzahlung mitentscheidet. Was daran hängt, steht in den Kapiteln zu Steuern und zur Krankenversicherung.
WAS DAS FÜR DICH HEISST
Argentinien ist kein Land, in das man hineinstolpert und dann sieht, was wird. Der Einstieg ist leicht, der Weg zum Bleiben ist es nicht — und die Regeln haben sich 2025 spürbar verschärft.
Wenn du länger als sechs Monate bleiben willst, fang mit dem Antrag an, bevor du fliegst: Führungszeugnis, Apostille, Einkommensnachweise. Diese Papiere lassen sich in Europa in Wochen besorgen und aus Argentinien heraus nur mühsam.